Medien, Netzpolitik

Recht auf Vergessen im Internet?

Bekifft an einem Hardcore-Konzert, Zungenakrobatik mit Freundin, Teilzeitnudist im Tessin. Wenn ich mich durch meine Fotokiste wühle, bin ich schon froh, dass meine postpubertäre Phase nicht auf Facebook drauf ist. Die wilden Zeiten sind nur auf Fotopapier verewigt.

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Me,jeff and uzzi totally drunk on headbangers open air!

Wäre ich heute ein Teeny, würde ich sicher ein Teil dieser Schnappschüsse auf Facebook posten. Die witzigen Seiten des Lebens zu teilen, macht ja am meisten Spass und generiert – last but not least – am meisten Likes und Kommentare. Und klar, auch ich wäre nicht so dumm, jeden Schweiss hoch zu laden. Wir wissen ja: Das Internet ist ein schwarzes Loch, das alles aufsaugt und nie vergisst.

Wirklich alle? Nicht ganz. Der Schweizer Bundesrat prüft im Moment auf Anregung von SP-Nationalrat Jean Christoph Schwab, ob dringlicher «gesetzgeberischer Handlungsbedarf» für ein Recht auf Vergessen im Internet besteht. Ob wir also per Gesetz von Facebook und Co eine definitive Löschung von Einträgen einklagen könnten.

In meinen Ohren klingt das «Recht auf Vergessen» sympathisch. Auch die Löschung der eigenen Daten bei Plattformen zu verlangen, finde ich selbstverständlich. Der radikalen Umsetzung im Web sind trotzdem enge Grenzen gesetzt. Deshalb finde ich es absurd, zu viel Denkzeit darüber zu verschwenden. Falls der Bundesrat gerne Grundsatzdiskussionen führt schlage ich ein weiteres Gesetz vor: Alle Zeitungen im ganzen Land werden nach dem Lesen eingesammelt, um in Zukunft alle unliebsame Artikel ausschneiden und vernichtet zu können.  (Anmerkung: Balthasar Glättli hat zu Recht angemerkt, dass mein polemischer Vergleich zwischen Zeitungen und Web zu kurz greift).

Statt über die Spielregeln im Internet zu lamentieren, könnten wir dem unvergesslichen Datenspeicher auch etwas positives abgewinnen: Das Leben wird ehrlicher und authentischer. Keine verlogenen Moralapostel mehr, die nie Jung waren, nie über die Stränge gehauen und nie einen Sommer für Anarchie demonstriert haben. Und wer das alles verpasst hat, ist selbst schuld.

PS: Leider habe ich meine alten Fotos noch nicht digitalisiert. Aber in einer unkontrollierten nostalgischen Phase werde ich wohl meine Timeline aufpeppen.

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3 Gedanken zu “Recht auf Vergessen im Internet?

  1. Pingback: » Recht auf Vergessen – keine Stussidee! – Balthasar Glättli (Nationalrat Grüne)

  2. danielgraf schreibt:

    Touché! Blog war vielleicht etwas gar polemisch. Habe aber ja auch geschrieben, dass ich den Schutz von eigenen Daten legitim und schützenswert finde.

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