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Campaigning, Menschenrechte

Einen Brief schreiben für Annie

Ich habe gerade einen Brief für Annie abgeschickt. Sie ist 11 Jahre alt und will Krankenschwester werden, wenn sie gross ist.

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Annie wird in Malawi buchstäblich gejagt, um Teile ihres Körpers zu verkaufen. In einigen afrikanischen Ländern glauben Leute, dass der Körper von Albinos über magische Kräfte verfügt. Die Süddeutsche Zeitung hat über die Menschenjagd eine Reportage geschrieben.

Der Prozess ist einfach: Wer in einem Formular seine Adress-Daten eingibt, erhält ein PDF mit dem vorbereiteten Brief. Der Briefbogen muss nur noch zwei Mal gefaltet, mit Klebestreifen verschlossen und frankiert werden. Und ab die Post!

2015 war der jährlich stattfindende Briefmarathon ein Riesenerfolg. Weltweit kamen drei Millionen Briefe zusammen. In der Schweiz allein wurden 20’000 persönlich unterschriebene Briefe verfasst.

Die Briefaktionen sind eine effiziente Massnahme, um das Leben gefährdeter MenschenrechtsverteidigerInnen zu schützen. Der geballte Versand von Briefen, E-Mails, SMS- und Fax-Mitteilungen an die verantwortlichen Regierungen zeigt oft Wirkung: Gewissensgefangene werden freigelassen, Todesurteile in Haftstrafen umgewandelt oder die Haftbedingungen verbessern sich.

Hier einige Erfolgsbeispiele (Quelle: Amnesty.ch):

  • Ende Februar 2016 erklärte der Justizminister Burkina Fasos den Kampf gegen Zwangsheiraten zur nationalen Priorität und kündigte konkrete Massnahmen an. So soll das Heiratsmindestalter auf 18 Jahre festgeschrieben und der Tatbestand der Zwangsverheiratung in Strafgesetz verankert werden.

  • Am 23. Februar 2016 ist in den USA Alfred Woodfox nach 40 Jahren Isolationshaft endlich freigelassen worden. Auch für ihn hatte Amnesty sich im Rahmen des Briefmarathons eingesetzt.

  • In der Demokratischen Republik Kongo sind Ende August 2016 vier Aktivisten aus der Haft entlassen worden, darunter Fred Bauma und Yves Makwambala. Amnesty International hatte sich unter anderem im Rahmen des Briefmarathons 2015 für die Freilassung der beiden Männer eingesetzt und weltweit mehr als 170’000 Appelle gesammelt.
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Campaigning

Top-Down-Mobilisierungen für Abstimmungen: Ein Auslaufmodell?

Kurz vor dem Abstimmungssonntag am 27. November habe ich meine Mailbox durchgeschaut. Hat mir jemand eine persönliche Email geschrieben, um für ein Ja für die Atomausstieg-Initiative zu werben? Das Resultat meiner Kurzrecherche: Nope, niemand hat sich gemeldet.

Dafür habe ich in den letzten Tagen mindestens ein Dutzend Newsletters erhalten mit Titel wie «Jetzt abstimmen!» oder «So schaffen wir den Ausstieg». Die Absender waren Parteien, Organisationen und einige PolitikerInnen, die mich mit einer personalisierten Anrede ansprachen, aber gleichzeitig die Email an Tausende andere schickten. Für mich ist das kommunikatives Dosenfutter, das mich selten anspricht.

Auf auf Facebook und Twitter fällt das Resultat gleich  aus: Ich habe viele Clips und Aufrufe gefunden, aber keine an mich persönlich gerichtete Message aus meinem Freundeskreis «Daniel, geht doch bitte abstimmen!».

Eine Ausnahme war Silvan, der im Büro vorbeikam und einen Anti-Atomsticker an meinen Monitor klebte. Die kleine Intervention war sehr wirksam. Der Kleber erinnerte mich jeden Tag daran, dass ich noch nicht per Brief abgestimmt habe.

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Monitor mit Sticker: Guerilla-Aktion von Silvan.

Was ich fürs Netz beschrieben habe, spiegelt meine Alltagserfahrungen der letzten Wochen. In privaten Gesprächen war die Atomausstieg-Initiatie kaum ein Thema. Und im Gegensatz zu DSI-Abstimmung hat mir gar niemand erklärt, wie wichtig es sei, auf jeden Fall an die Urne zu gehen.

Diese Bilanz ist für mich ziemlich irritierend, war doch die Atomausstiegs-Kampagne in den Medien extrem sichtbar und hat – was auffällt – die Gegnerschaft mit einem offensiven Agenda-Setting vor sich her getrieben. Die Ja-Kampagne hatte, in den grossen Städten wie Zürich, Basel und Bern, genug Budget, um mit Plakaten starke Präsenz zu markieren.

Warum hat die Mobilisierung beim emotionalen Dauerbrenner «Atomausstieg» nicht stärker gegriffen? Ein Grund ist sicher bei der Kampagnen-Konzeption zu suchen. Die Strategie setzte auf die drei Pfeiler Marketing (Plakate, Inserate), Medienarbeit und Top-Down-Mobilisierung via Mitgliederorganisationen.

Eine Ausnahme war die professionell aufgezogene Mitmach-Kampagne von Greenpeace im Kanton Zürich, die in der bildstarken Aktion vor dem Grossmünster gipfelte. Im Gegensatz zur nationalen Kampagne wurden deutlich mehr Mittel in Multiplikatoren investiert,  4’500 Telefongespräche geführt und mehr als 15’000 handgeschriebene Postkarten verschickt.

Positiv aufgefallen sind mir auch die gut gemachten Social Media-Inhalte. Sie kamen aber – zumindest in meiner Facebook-Timeline – meist aus der gleichen Ecke und zogen keine breiten Kreise (nur der Clip von Vincent Verzat war in der Romandie ein Blockbuster). 

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Fotoaktion von Greenpeace in Zürich.

Was in der Abstimmungsstrategie, so weit dies von Aussen erkennbar ist, also fehlte, ist der Fokus auf «Get out the vote» (GOTV). Diese Prinzip, entwickelt für US-amerikanische Wahlkampagnen, ist simpel: möglichst viele Menschen mittels Multiplikatoren an die Urnen zu bringen. Die Hauptarbeit der Kampagne liegt im Aufbau einer möglichst engagierten Freiwilligenbasis, die im Schlussspurt die 1-zu-1-Mobilisierung übernimmt.

Die Atomausstieg-Kampagne zeigt, dass in der Schweiz darauf vertraut wird, die Stimmberechtigten mit Plakaten, Inseraten und Streuwürfen sowie mit flankierender Medienarbeit für die Stimmabgabe zu gewinnen. Die indirekte Mobilisierung ist vermutlich nicht sehr effektiv, zeigt doch die Wahlforschung, dass insbesondere direkte Kontakte, aus dem sozialen Umfeld, darüber entscheiden, ob jemand abstimmt oder nicht.

Deshalb haben sich in anderen Ländern die GOTV-Mobilisierung etabliert, um im dem Direktkontakt an der Haustüre, am Telefon oder mit persönlichen Email die Wählerinnen und Wähler abzuholen. Auch die SP Schweiz setzt seit 2015 aufs Telefon, um vor Wahlen möglichst viele 1-zu-1-Gespräche zu führen.

Zweifellos fehlen vielen Kampagnen die Mittel und die Freiwilligen für Telefonkampagnen. Doch die nächste beste Option sind Email-Adressen. Die Ja-Kampagne für einen geordneten Atomausstieg hätte – über die beteiligten Partien und NGO – sicherlich Zugriff auf weit über 100’000 Email-Adressen gehabt.

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Die Ausgangslage ist vergleichbar mit dem Referendums-Abstimmung gegen die 2-Gotthardröhre, bei der ich für die Online-Kampagne zuständig war. In einer Zeitspanne von rund 2 Monaten konnten wir aus bestehenden Email-Kontakten rund 10’000 Aktivistinnen und Aktivisten rekrutieren (Opt-In), die sich aktiv an der Schlussmobilisierung beteiligt haben.

An diese Kampagnen-Community haben wir pro Woche 2-3 Emails verschickt. Wichtig zu bemerken ist, dass es sich um keine Newsletter handelte, sonder um Campaigning-Emails, also personalisierte Kommunikation auf Augenhöhe, die auf Dialog und Mobilisierung abzielten.

Die Rückmeldungen zeigten, dass die Message ankam. Auf jedes Email erhielten wir jeweils einige Hundert Antworten. Hier ein paar Beispiele dafür:

Die briefliche Abstimmung ist bereits erledigt und meine 20 Bekannten werden laufend mit Deinen Emails versorgt. Einige davon haben mir bestätigt, dass sie von anfänglichen BefürworterInnen zu GegnerInnen geworden sind! Gut, gell?

ich habe 105 mails verschickt!! Und meine Tochter hat morgen in der Schule (Gymi) eine Pro und Contra Runde zum Thema. Sie ist voll informiert und leidenschaftlich mit dabei!!!

Ich habe das Plansoll erfüllt und gegen 45 Bekannte und Freunde angesprochen.

Wie gross die Breitenwirkung dieser Community war, lässt sich nicht genau messen. Ein Anhaltspunkt war die Selbsteinschätzung der Aktivistinnen und Aktivisten, die in einer Umfrage angaben, durchschnittlich mindestens 12 Personen direkt ansprechen zu wollen. Nimmt man diese «Selbstdeklaration» als Anhaltspunkt hätten wir über Email rund 100’000 Menschen über private Kanäle für die Urne mobilisieren können.

Aus dieser Erfahrung denke ich, dass GOTV-Strategien in Zukunft für die Schweiz zum Standard werden. Gerade bei knappen Abstimmungen macht es Sinn, deutlich mehr Mittel in die Bottom-Up-Mobilisierungen zu investieren.

Disclaimier: Ich war an der Atomausstieg-Kampagne am Rande beteiligt mit der Plattform https://www.akw.fail, aber nicht in die Organisation eingebunden.
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potus
Campaigning, Medien, Netzpolitik, Social Media

Trump’s Troll-Kampagne: Mit Shitstorm ins Weisse Haus

Die digitale Demokratie hat zugeschlagen, aber nicht so, wie alle erwartet haben. Der Kurznachrichtendienst Twitter hat Trump ins Zentrum der Macht katapultiert, während Hillary auf Facebook, trotz Geek-Team und Mobilisierungs-App, auf der Strecke blieb. Der frisch gewählte US-Präsident hat wie kein anderer Kandidat zuvor verstanden, Tweets für mediales Dauer-Agenda-Setting zu nutzen. Als Herausforderer mit weniger Geld und Macht als Hillary zwitscherte er drauf los – ganz nach dem Motto: «Ist der Ruf erst ruiniert, politisiert es sich auf Twitter ganz ungeniert.

Die Mechanik des Troll-Campaigning ist simpel: Mit einer Handvoll Skandal-Tweets baut man sich seinen medialen Empörungskorridor auf, dessen Sogwirkung auf die Medienschaffenden mit jedem Bericht verstärkt wird.

Sind es zu Beginn die online-affinen Kanäle, welche die Geschichten aufgreifen, kommen bald auch die Massenmedien nicht mehr drum herum. Die Auswertung der Medienartikel vor den US-Wahlen zeigt eindrücklich, wie Trump die Berichterstattung mit der Shitstorm-Maschinerie dominiert.

Der Trump-Tsunami machte auch vor Facebook nicht halt: Die Skandalberichte fluteten die Timeline. Da half es Hillary wenig, dass sie bei Mobilisierung auf Facebook die Nase vorne hatte. Ihr Wahlkampf-Team konnte für die heisse Phase auf die «Hillary Clinton 2016» Appzurückgreifen, die alle Online-Werkzeuge der Gegenseite in den Schatten stellte.

Wir dürfen gespannt sein, was der erste Troll im Weissen Haus alles anstellt. Ein neues Spielzeug hat er ja: Den Potus-Twitter-Account.

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Campaigning, Netzpolitik, Netzwelt

US-Wahlkampf mit Gamification: Hillary setzt aufs Smartphone 

Jetzt kommt der US-Wahlkampf in die entscheidende Phase. Die Frage ist nicht mehr, wer für Schlagzeilen sorgt, sondern wer die Wählerinnen und Wähler tatsächlich an die Urne bringt. 

Wie kein Kandidat zuvor, hat Trump Twitter genutzt, um mit Erfolg die mediale Bühne zu bespielen. Wenn es um die Mobilisierung via Facebook geht, hat jetzt Hillary die Nase vorne. Ihr Wahlkampf-Team kann für die heisse Phase auf eine Smartphone-App zurückgreifen, die alle Online-Werkzeuge der Gegenseite in den Schatten stellt.

Die «Hillary Clinton 2016» App für iOs und Android macht aus jedem Smartphone ein digitales Wahlkampfbüro. Die App erlaubt es, auf das Adressbuch zuzugreifen und die Daten mit Facebook abzugleichen. In einem zweiten Schritt lassen sich spielerisch Facebook-Freunde auswählen, die potentielle Fans von Hillary sind. Diesen Personen können gezielt SMS geschickt werden, um sie zur Wahl oder zu Spenden aufzufordern. 

Crowd-Campaigning als Erfolgsfaktor

Hillary setzt mit der App auf Crowd-Campaigning, wie Teddy Goff, digitaler Chefstratege in Politico erläuterte. «We know voters are more likely to take an action if they’ve been compelled to do so by their friends. One of the key objectives of our organizing technology strategy is to provide our people ways to reach out to their friends in as targeted a way as possible.»

Die Kampagnenstrategie fokussiert voll und ganz auf den sozialen Effekt. Dieser funktioniert nur, wenn die Menschen, die sich beteiligen, einen möglichst grossen Handlungsspielraum erhalten. Sie werden vom Kampagnenteam nicht ferngesteuert, sondern nur angestubst und kreisen auf eigenen Umlaufbahnen.

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Mobilisieren mit PokemonGo-Effekt

Die App verbindet nicht nur Datensätze und vereinfacht die persönliche Mobilisierung, sondern setzt auf Gamification. Dahinter stecken Programmier, die an bekannten Online-Games wie Farmville mitgearbeitet haben.

Mit Punkten und Badges sollen User motiviert werden, möglichst viel Menschen anzusprechen. Dazu stellt das App als Wahlkampfzentrale täglich neue Aufgaben, die zu lösen sind.

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Campaigning, Weiterbildung

Mitmach-Kampagnen:«Wir müssen die Planung auf den Kopf stellen.»

Sarah Spiller, Kampagnenforum, hat mit mir ein Kurzinterview über «Mitmach-Kampagnen» geführt. Ich meine damit Kampagnen, die auf die Partizipation des Publikums fokussieren statt nur auf Sharing von Inhalten. Anlass ist ist der Kampagnenforum-Kurs  «Kreative Mitmach-Kampagnen», der am 6. September 2016 statt findet.

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Roboter demonstrieren an der Zürcher Bahnhofstrasse für ein bedingungsloses Grundeinkommen (Juni 2016).

Sarah: Die Möglichkeit für breite Bevölkerungskreise, sich aktiv an einer Kampagne zu beteiligen, gilt in deinem Ansatz als wichtiger Erfolgsfaktor. Welche Herausforderungen siehst du darin?

Daniel: Wir müssen die Kampagnenplanung auf den Kopf stellen: Statt am Schluss zu fragen «Und was haben wir zum Teilen auf Facebook?» steht der Einbezug der Zielgruppen an erster Stelle. Der Netzwerkansatz ist die strategische Basis, auf der eine Mitmachkampagne aufbaut. Sie funktioniert nur, wenn die Menschen, die sich beteiligen, einen möglichst grossen Handlungsspielraum erhalten. Sie werden vom Kampagnenteam nicht ferngesteuert, sondern nur angestupst und kreisen auf eigenen Umlaufbahnen.

Welche war in deiner Erfahrung die erfolgreichste Mitmachkampagne der letzten Jahre? Warum?

Die Durchsetzungsinitiative war für mich bisher die spannendste Fallstudie. Erstmals hat sich gezeigt, dass die breite Mobilisierung – insbesondere auch auf den sozialen Medien – bei nationalen Abstimmung mit knappem Ausgang eine Rolle spielen. Dem «Dringenden Aufruf», bei dem sich 50’000 Menschen beteiligten und über 1 Million Franken gespendet haben, ist es gelungen, eine «Es geht nur mit dir»-Stimmung zu schaffen. Im Gegensatz zur kraftlosen Elitekampagne von Politik und Wirtschaft hat der Aufruf eine spürbare Basismobilisierung geschaffen. Den Leuten wurde aufgezeigt, dass sie selbst etwas tun können – über das Abstimmen hinaus.

Welche Aspekte der Kampagnenarbeit rückst du beim Kurs ins Zentrum und wer sollte unbedingt teilnehmen?

Wir fokussieren auf den sozialen Effekt in einer Kampagnenstrategie, der für den Erfolg entscheidend ist. Wer sieht, dass Freundinnen und Freunde sich beteiligen, interessiert sich für den Inhalt und ist eher bereit, selbst einzusteigen. Gerade etablierte Organisationen, Verbände und Parteien, die bisher auf Marketing und PR setzen, um ihren Bekanntheitsgrad zu steigern, haben Mühe, auf Augenhöhe zu kommunizieren und das Publikum einzubinden. Last but not least holen Mitmachkampagnen mehr aus knappen Budgets heraus.

Danke für deine Ausführungen, wir freuen uns auf einen spannenden Kurs am 6. September.

Weiterbildung: Kreative Mitmach-Kampagnen

Der wichtigste Erfolgsfaktor für Kampagnenarbeit ist Sichtbarkeit in den Medien, auf der Strasse und im Internet. Dafür müssen Themen und Anliegen in bildstarke, kreative und motiverende Aktionen übersetzt und in die Kampagnen-Strategie eingebunden werden.
Für die Umsetzung brauchen Sie Mitstreiterinnen und -streiter. Doch immer seltener können Organisationen auf langjährige Aktivistinnen und Aktivisten zurückgreifen. Kampagnenschaffende müssen daher die Kampagnen so gestalten, dass ein Mitmach-Effekt entsteht und breite Kreise von Menschen sich engagieren können.

Kampagnenexperte Daniel Graf zeigt auf, wie sie Strategien entwickeln und Menschen in mobilsierende Aktionen einbinden.

Daniel Graf (43) ist Kommunikationsstratege bei gamechanger.ch, Netzdemokrat und Mitbegründer der Polit-Plattform wecollect.ch.

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Workers make stuffed animals to be exported to Europe and America at a toy factory in Ganyu county, Zhejiang province November 6, 2013. A stronger-than-expected rebound in China's exports in October added to a run of indicators suggesting the world's second-largest economy has found its footing just as Beijing prepares to lay out its reform agenda for the next decade. Picture taken November 6, 2013. REUTERS/China Daily (CHINA - Tags: BUSINESS EMPLOYMENT SOCIETY) CHINA OUT. NO COMMERCIAL OR EDITORIAL SALES IN CHINA - RTX1553E
Campaigning

China unter dem Weihnachtsbaum

Jedes zweite verkaufte Spielzeug unter dem Christbaum stammt aus China und wird unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt. Mit der Kampagne «Fair Toys», bei der ich mitarbeiten durfte, fordert das Hilfswerk Solidar Suisse den Spielwarenverband Schweiz auf, sich für Transparenz, existenzsichernde Löhne und schärfere Kontrollen einzusetzen. 

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Das beliebteste Schweizer Weihnachtsgeschenk für Kinder sind in diesem Jahr Lego-Artikel. Dies zeigt eine repräsentative Umfrage, die GfS-Zürich im Auftrag von Solidar Suisse durchgeführt hat. Auf den vorderen Rängen sind ausserdem Puppen für Mädchen zu finden, während Buben sich auf Modellfahrzeuge und -bahnen freuen dürfen.

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Rund die Hälfte der Spielwaren, die dieses Jahr den Weg unter den Christbaum finden, stammt aus China (20min.ch), so Plüschtiere von Hasbro, Disney-Figuren wie Frozen oder die Hot Wheels-Modellbahn von Mattel. Sie werden unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen hergestellt, wie auch der 10vor10-Bericht von SRF-China Korrespondent Pascal Nufer vor Augen führte.

Bekannte Markenhersteller wie Mattel, Disney und Hasbro sind mitverantwortlich für die desolaten Zustände in China», sagt Simone Wasmann, Kampagnenverantwortliche bei Solidar Suisse. «Leider existiert bis heute kein Fairtrade-Label, das den Kaufentscheid erleichtern würde.» Gemäss einer GfS-Umfrage wären 80% der Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten bereit für ein Fairtrade-Label bei Spielwahren mehr zu bezahlen.

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Mit der Kampagne «Fair Toys», welche die Kampagnenagentur gamechanger bei der Konzeption und Umsetzung unterstützte, richtet Solidar Suisse einen öffentlichen Appell an den Spielwarenverband Schweiz. «Wir fordern einen Lohn, der zur Existenzsicherung reicht, unabhängige Kontrollen und Beschwerdemechanismen für die Arbeitnehmenden in den Fabriken», erklärt Simone Wasmann von Solidar Suisse. «Es ist Zeit, dass die Branche Verantwortung übernimmt für die ganze Produktionskette und menschenverachtenden Arbeitsbedingungen einen Riegel schiebt.»

Beim Schweizerischen Spielwarenverband hält, was kaum überrascht, wenig von einem Fair-Trade-Label. Originell ist aber die Erklärung dafür: «Wir sind der Meinung, dass sämtliche Spielwaren, die in der Schweiz verkauft werden, auf faire Weise hergestellt werden sollten. Ein Fair-Trade-Label würde implizieren, dass alle Spielwaren ohne solches Label nicht fair hergestellt werden», erklärt Sandro Küng vom Schweizerischen Spielwarenverband.

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Campaigning, Menschenrechte

Briefe schreiben für Maria

Als sie 13 Jahre alt war, wurde Maria gezwungen, einen 70-jährigen Mann zu heiraten, der bereits 5 andere Frauen hatte. Ihr Vater versuchte ihren Widerstand zu brechen, indem er ihr drohte: «Wenn du nicht zu deinem Mann gehst, bringe ich dich um!» Über ein Drittel aller Frauen werden in Burkina Faso verheiratet, bevor sie 18 Jahre alt sind. 

Amnesty International: Briefmarathon 2

Mit Maria und ihrem tragischen Schicksal startet Amnesty International heute, am internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, den diesjährigen Briefmarathon. Dafür nutzt Amnesty International das erste Mal eine Website, mit der persönliche Brief erstellen können. Die Online-Plattform durfte ich  in Zusammenarbeit mit der Internet-Agentur Liip entwickeln.

Letztes Jahr haben Menschen in über 140 Ländern am Briefmarathon teilgenommen und über 2 Millionen Solidaritätsbotschaften geschrieben. Davon kamen über 30’000 aus der Schweiz.

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Die weltweit grösste Briefaktion für die Menschenrechte zeigt Wirkung: Gewissensgefangene werden freigelassen, Todesurteile in Haftstrafen umgewandelt oder die Haftbedingungen verbessern sich. 2014 kam der junge Nigerianer Moses Akatugba nach dem Briefmarathon frei, der in einem unfairen Prozess zum Tode verurteilt worden war.

maria.briefmarathon.ch

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