Menschenrechte

Fluchthilfe statt Schlepperbanden: Asyl mit einem Klick

Nachdem Flüchtlingsdrama in Österreich trommeln die Politikerinnen und Politiker zum Kampf gegen die Schlepper. Doch die kriminellen Banden profitieren davon, dass Flüchtlinge kaum Möglichkeiten haben, legal in die EU oder auch in die Schweiz zu gelangen. Die Menschen müssen sich Schlepper anvertrauen und riskieren ihr Leben.

Seit der Abschaffung des Botschaftsasyls 2013 müssen Schutzbedürftige sich in der Schweiz aufhalten, um einen Antrag auf Asyl stellen zu können. Schweizer Botschaften können zwar humanitäre Visa ausstellen. Sie tun dies aber knauserig. Flüchten Menschen in Drittstaaten, haben sie in der Praxis kaum eine Chance, ein humanitäres Visum zu erhalten.

Dieser Zustand ist unhaltbar. Es braucht neue Wege, auf denen Schutzbedürftige sicher in die Schweiz gelangen können. Weshalb nutzt die Schweiz nicht die neuen Möglichkeiten, die sich mit dem Internet bieten? Für einen Asylantrag braucht es heute keine Botschaft mehr. Ein Formular im Internet würde genügen.

Ist ein Asyl-Schalter im Netz nur Zukunftsmusik? Im Gegenteil: Visa-Gesuche können bereits heute via Internet gestellt werden. Verfahren lassen sich auf diese Weise effizienter und noch dazu kostengünstiger abwickeln. Ein solcher Prozess wäre grundsätzlich auch für Asylgesuche denkbar. Der Vorteil liegt auf der Hand: Gefährdete Menschen könnten rund um die Uhr und überall auf der Welt Asyl beantragen. Zivilgesellschaftliche Organisationen hätten die Möglichkeit, Gesuche zu unterstützen und Informationen beizusteuern, welche die Prüfung erleichtern und beschleunigen würden.

Wir leben in einer Zeit, in der das Internet zu Recht ein Hoffnungsträger geworden ist. In so unterschiedlichen Ländern wie Syrien und China kämpfen Bloggerinnen und Blogger an vorderster Front gegen autoritäre Regierungen. Sie nehmen sich die Freiheit, Machtmissbrauch und Menschenrechtsverletzungen öffentlich zu machen.

Der Respekt gegenüber diesen Mutigen gibt dem Begriff «Asyl» die breite gesellschaftliche Anerkennung zurück, die in der entfesselten Missbrauchsdebatte verloren ging. Warum sollten wir Flüchtlingen nicht auch per Internet Schutz vor Verfolgung anbieten? Der Schweiz stünde es gut an, die «humanitären Traditionen» neu zu beleben. Ein einfacher Klick könnte ein Leben in Sicherheit und Würde ermöglichen.

Der Artikel ist die überarbeitete Version meines Textes, der im Bulletin von Solidarité sans frontières 2013 erschienen ist.

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2 Gedanken zu “Fluchthilfe statt Schlepperbanden: Asyl mit einem Klick

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