Campaigning, Medien, Social Media

Community-Kampagnen auf Social Media: Erfolgsfaktoren aus der Praxis

Das Zauberwort heisst Community. Unternehmen und Organisationen setzt auf den viralen Mitmach-Effekt von Social Media, um hohe Reichweite zu erzielen, bestehende Kontakte zu binden und neue Zielgruppen anzusprechen. Aber wenn alle eine Community haben, wie bleibt man selbst auf Social Media relevant und sichtbar?

In meinem Workshop am Campaigning Summit Zurich 2014 untersuche ich die Mechanik und Dramaturgie von Community-Kampagnen. Was sind die Erfolgsfaktoren, um Unterstützer zielgerichtet und effizient einzubinden? Was sind die neuen Spielregeln der «culture of sharing» im Netz? Hier die Wokrshop-Slides aus der Campaigning-Praxis.

Meine Ausgangsthese war folgende: «Der Blick auf die eigene Community verzerrt unsere Wahrnehmung und setzt falsche Ziele für die Präsenz auf Social Media.»

Die zehn Erfolgsfaktoren für Online-Campaigning mit Social Media habe ich in einem weiteren Blog-Beitrag veröffentlicht.

 

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Campaigning, Netzpolitik, Social Media

Email-Mais im Bundeshaus

Heute hat Solidar Suisse eine für die Schweiz neuartige Kampagne gestartet. Die Mitglieder der Aussenpolitischen Kommission des Nationalrates (APK-N) haben in den letzten Stunden über 1000 Emails erhalten.

APK-N

Absender sind BürgerInnen, die bestürzt darüber sind, dass das geplante Freihandelsabkommen mit China die Menschenrechte ausklammert. Das Wort «Menschenrechte» sucht man vergeblich in den über 1000 Seiten des Vertragstextes. Die Parlamentarier der APK-N diskutieren am Montag 21. Oktober 2013 über das Freihandelsabkommen. Bisher deuten alle Anzeichen darauf hin, dass der umstrittene Vertrag geräuschlos durchgewunken wird.

Solidar_Clip

Interessant ist die Mechanik, die hinter der Kampagne steht. Für Aufmerksamkeit sorgt, wie bereits bei anderen Kampagnen, ein witzig gemachter Youtube-Clip. Der Still ist darauf ausgelegt, dass das Video möglichst oft via Social Media geteilt wird und so BesucherInnen auf die Website Solidar Suisse bringt.

Die Neuheit verbirgt sich hinter der Website. Ein Modul verschickt automatisch an alle Nationalräte der APK-N persönlich adressierte Emails. Die Absender können dazu den vorgeschlagenen Text frei anpassen.

Solidar

Es ist meines Wissens das erste Mal, dass Schweizer ParlamentarierInnen die Wucht einer Empörungswelle zu spüren bekommen. Im Gegensatz zu organisierten Protesten via Facebook und Twitter treffen Emails das Rückgrat der Alltagskommunikation. Einige Hundert Emails im Sekundentakt reichen aus, um ein Postfach komplett zu fluten.

Kein Wunder also, dass sich die betroffenen Parlamentarier als Opfer eines «Shitstorms» betrachten. Ein überquellendes Postfach ist keine Freude. Das Abarbeiten kosten Zeit und Nerven. Gleichzeitig handelt es sich bei den Absendern der Solidar-Aktion nicht um einen anonymer Mob, sondern um – zum grossen Teil vermutlich wahlberechtigte – Bürgerinnen und Bürger, die sich mit vollem Namen und Email-Adresse für ein Anliegen stark machen.

Ich bin gespannt, wie die PolitikerInnen auf die Email-Welle reagieren, zumal sich die Absender explizit «über eine Antwort freuen» würden, wie es im Standard-Text heisst.

UPDATE 17.10.13 21:56

Solidar Suisse hat vor kurzem die Email-Aktion an die ParlamentarierInnen beendet. Insgesamt wurden 1’017 persönlich andressierte Emails an die Mitglieder der Aussenpolitischen Kommission des Nationalrats verschickt (APK-N). Die Botschaft sei angekommen, schreibt Solidar Suisse.

Solidar_Update

UPDATE 19.10.13

Neben der Tagesschau berichtete auch der Blick über die 1000-Email-Aktion und titelte «Spam-Terror wegen Freihandelsabkommen». Bürgerlichen PolitikerInnen wie Kommissionspräsident Andreas Aebi, die für das umstrittene Freihandelsabkommen sind, beschwerten sich über die kontraproduktive Aktion für die Menschenrechte. Wer dem Geschäft kritisch gegenübersteht, wie die St. Galler Nationalrätin Claudia Friedl, zeigte durchaus Sympathie für die Aktion.

Sicher ist: Eine  Email-Welle muss gezielt und sparsam eingesetzt eingesetzt werden. Sie gehört nicht zu den Standardmassnahmen für Campaigning.

UPDATE 22.10.13 14:02

Die Kommission winkt das umstrittene Freihandelsabkommen durch: Mit 14 zu 6 Stimmen  hat sich die APK-N für die Genehmigung des vom Bundesrat ausgehandelten Abkommens ausgesprochen. Mit 15 zu 6 Stimmen  abgelehnt wurde der Antrag, den Bundesbeschluss dem fakultativen Referendum zu unterstellen. (Quelle: Medienmitteilung).

Disclaimer: Ich habe bei dieser Kampagnen nicht mitgearbeitet. Meine letzte Online-Aktion für Solidar Suisse war der FIFA-Hack.

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